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Oberstdorfer Gebäude: Die Rohrmooser Kapelle

Die Kapelle in Rohrmoos
Geschichte:
Die Kapelle „St. Anna“ ist die älteste Holzkapelle Süddeutschlands und gehört zur Pfarrei Tiefenbach. Um 1500 kaufte Graf Johann v. Sonnenberg „Güter und Alpe Rohrmoos“ von den Herren v. Heimenhofen (die ja bekanntlich fast immer Geldmangel hatten). Graf Sonnenberg vererbte Rohrmoos an den Truchsess von Waldburg-Wolfegg. Im Laufe der Zeit erweiterte die Wolfegg’sche Linie den Besitz auf 4900 ha, bis hinein in die Gemeinden Balderschwang, Tiefenbach, Mittelberg, Sibratsgfäll und Obermaiselstein. Das damalige Gut hatte sogar eine „Badstub“, die jedoch nicht mehr besteht. Es besteht noch die oben erwähnte Kapelle St. Anna, die von Truchsess Jakob von Waldburg-Wolfegg 1586 erbaut wurde. 1587 wurde die mit einer Brettertonne eingewölbte Kapelle ausgemalt. Die letzte Restaurierung erfolgte 1901 bzw. 1987, anlässlich der 400 Jahrfeier.
Baubeschreibung:
Als Holzkapelle des 16. Jahrhundert ist der Bau mit seiner vollständig erhaltenen Bemalung wohl einzigartig in Bayern. Die Kapelle ist in einem gestrickten Blockbau erstellt und mit einer 5-fach geknickten korbbögigen Brettertonne geschlossen. Je 1 Fenster an den Schrägseiten des Chores und je 2 Fenster an den Längsseiten des Schiffes sind giebelbögig aus dem Blockbau geschnitten. Außen ist der Bau auf einem Bruchsteinsockel mit Brettern verschalt. Das Satteldach ist mit „Scharschindeln“ (keilförmig gespalten) gedeckt. Bekrönt wird das Dach mit einer Wetterfahne aus dem 18. Jahrhundert (Sonne, Mond und Hahn).
Westende der Längswand:
In hochovalen Rahmen Szenen aus dem Leben Marias (Maria Geburt, Verkündigung, Heimsuchung, Krönung).
Schiffsnordwand und Längswand hinter dem Chorbogen:
12 Apostel mit Inschrift auf gerollten Schriftbändern.
Chorbogen:
Bekrönt von einem ausgesägtem Brett, bemalt mit dem Wappen des Erbauer, Truchsess Jakob v. Waldburg. (Federbusch und 2 Hirschen) und Johanne Freiin v.Zimmern von einem Engel gehalten. Oben im Chorbogen, Blattranken mit der Datierung 1587.
Flügelaltar:
Datiert auf dem Wappen in der Predella gemalt die Jahreszahl 1568, also 20 Jahre älter als die Ausmalung der Kapelle. Die inneren Bilder sind von Dürers Holzschnitten abhängig. Links: „Anbetung der Hirten“ ( Zutat Alphorn).Rechts: „ Anbetung der Könige“ und Mitte: „Christus am Kreuz“ mit Jerusalem und Berge im Hintergrund.
Kulturgeschichte - Ausmalung:
Die 1587 erfolgte Bemalung ist noch vollständig vorhanden. Die ursprünglich auf Kalkgrund erfolgte Bemalung ist im Lauf der Jahrhunderte besonders in den Fugen der Balken abgeblättert und ist 1901 von K. Schleibner aus München restauriert worden.
„Das Jüngste Gericht“
Besonders bemerkenswert ist das Gemälde an der Westwand „das Jüngste Gericht“ nach einer niederländischen Stichvorlage. Einer Wiedergabe von Hölle und Seligkeit. Mit Schaudern und Heiterkeit betrachtet man das Gemälde mit den Teufelsgestalten und den Qualen der zur Hölle Hinabgestossenen.
Untere Zone:
Es scheiden sich die Scharen der Auferstandenen in a) die von einem Engel mit Lilie geleiteten Seligen (Links) und b) die von einem Teufel in den Höllenrachen getriebenen Verdammten.
Oben:
Christus der Weltenrichter auf einem Gegenbogen.
Links oben:
Ein Engel mit Lilie und Hl. Maria, Katharina, Barbara, Agatha u. weitere 4 weibl. Heilige.
Rechts oben:
Ein Engel mit Schwert und Johannes d.T., Petrus Johannes, Mathäus, Andreas, Philippus u. weitere 2 Apostel.
Außenseite links:
St. Georg mit dem Drachen und rechts ein Ritter zu dessen Füssen ein Schild mit dem Meisterzeichen.
Gestühl:
Die 3 hinteren Bänke der Südseite (einfache rechteckige Wangen) wohl noch aus dem 16. Jahrhundert.
Zusammengestellt von Andreas Rößle im August 2001
Links:
Alpen: Rohrmoos
Ortschaften: Rohrmoos, Tiefenbach
Radtouren: Rohrmoss
Literatur:

"Kunstdenkmäler - Landkreis Sonthofen", Petzet, S. 737 ff
Schnell, Kunstführer Nr. 1436, S. 12 f

Stand: 07.06.2007


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