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Naturschönheiten: Die Judenkirche bei Tiefenbach

Dieses einzigartige Naturdenkmal, ein - natürliches Felstor - liegt heute - nicht mehr so frei einsehbar wie früher - am Kapf überhalb des Sanatoriums Wasach an der nordwestliche Grenze Oberstdorfs auf Fischinger Flur. Nur selten verirrt sich zu der heute von hohen Bäumen total eingewachsenen Judenkirche ein Wanderer, obwohl sich der Ausflug hierher sicher lohnt.
Das imposante Felstor besitzt eine Breite von ca. 10 Metern, eine Höhe von ca. 6 Metern und eine Dicke von 1 bis 2 Metern. Der Durchblick durch das Tor bot früher einen hervorragenden Blick auf Oberstdorf und seine Berge, der heute jedoch durch hohe Bäume behindert wird.
Im Juni 2007 hat der Umweltausschuss des Landkreises die Felsformation als Naturdenkmal ausgewiesen!
Wandervorschlag:
Der Wanderweg beginnt bei der Tiefenbacher Pfarrkirche (Graf Christoff von Vojkffy Weg) und führt zuerst zu den südlichen Felsabstürzen am Ochsenberg, dem sog. Jehlefelsen. Dort hat der aus Ungarn stammende Graf Vojkffy in den Jahren von 1934 bis 38 Steinwerkzeuge aus der Mittleren Steinzeit ausgegraben. Ein paar Funde können Sie im Heimatmuseum Oberstdorf bewundern. Weiter ansteigend führt der Weg überhalb des Sanatoriums Wasach vorbei zu einer Hütte am sogenannten Kapf. Von dort steigt es jetzt etwas steiler den Ochsenberg hinauf bis wir kurz nach einer Weggabelung von oben an diese einmaligen geologischen Besonderheit gelangen. Auf einem Bänkchen im Felsentor können wir die Ruhe und in Herbst, wenn die Buchen laublos sind, den Ausblick auf Oberstdorf genießen. Nach dem Durchschreiten des Tores geht es wieder steil nach unten, wo wir auf den Weg treffen, der vom Kapf zum Jägersberg bei Langenwang hinüber führt.
Geologische Erklärung:
An dieser Stelle hat sich der Schrattenkalk aus der ursprünglich horizontalen Schichtung hochgewölbt. Auf der talseitigen Flanke bildeten sich hierbei Risse und auch die innere Schicht des Gesteines wurde durch den immensen Druck gelockert. Die nicht mehr eingebundenen Gesteinstrümmer der Talseite fielen heraus und es entstand ein natürliches Felstor, da oben ein Felsbalken erhalten blieb. Langsam rutschte auch das hinter der Öffnung liegende Gestein nach, wodurch sich ein Hohlraum hinter der Gesteinsbrücke bildet, der wie ein chorartiger Raum wirkt und durch den der Weg hindurchführt.
Erklärung des Namens:
Laut Schwendinger soll deshalb das Naturwunder ursprünglich im Volksmund eigentlich „in der Kirche" geheißen haben und erst durch ungenaue Aufschreibung später der Name „Judenkirche" daraus entstanden sein. Er vermutet das, weil es in Oberstdorf früher bis auf eine Ausnahme keine Juden gegeben hätte. Ich persönlich finde den Namen "Judenkirche" eigentlich schon schlüssig. Da das Aussehen wirklich stark an eine Kirche erinnert - vielleicht wurde der Ort von unseren vorchristlichen Vorfahren auch dementsprechend genutzt - muss er, da nicht christlich, antichristlich sein. Was liegt da näher, als eine "Judenkirche" daraus zu machen. Um sich ein Bild von der obstrusen Vorstellung, den sich unsere Vorfahren noch vor etwa hundert Jahren vom "Juden" machten , sei nur an die von Reiser in Oberstdorf aufgezeichneten Sage vom "Ewigen Jud" erinnert.
Links:
Ortschaften: Tiefenbach
Gebäude: Pfarrkirche Tiefenbach
Geschichte: Mittelsteinzeit
Extern: Das Naturdenkmal "Judenkirche", ein Wandervorschlag von Alfred Vogler
Literatur:

"Der Graf Christoff von Vojkffy Weg und die Judenkirche in Oberstdorf/Tiefenbach" von Paul Schwendinger, Artikel aus unbekannter Zeitschrift (Kopie liegt mir vor)
" Den ewigen Juden kann man nicht töten", Sage aus dem Reiser, S. 434

Stand: 19.11.2008
Judenkirche
Blick von oben durch das Felsentor
Lage der Judenkirche von Oberstdorf gesehen. Links am Ochsenberg liegt Wasach.
Kapf
Die Hütte am Kapf - direkt über Wasach gelegen -
lädt zu einer kurzen Rast ein.
Der Blick von unten
Judenkirche

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