| In der Zeit des 30-jährigen Krieges war der Bedarf an neuen Kunstwerken gering: Von 249 Häusern (1525) in Sonthofen standen 1650 noch 70, von 100 in Rettenberg 18, Fischen hatte nur noch 20 Häuser und Vorderburg 5. Den ersten namentlich bekannten Bildhauer unserer Gegend, Hans Scham oder Schaum (um 1588 geb. in Ottobeuren, gestorben 18. August 1654 in Oberstdorf) verschlug der Krieg 1634 nach Oberstdorf, weil die Schweden sich im Kloster Ottobeuren festgesetzt hatten und die Mönche geflohen waren. Er entstammt einer Bildhauerfamilie. Schams Großvater Kaspar, seit 1558 in Ottobeuren (gestorben 1597), kam vielleicht aus Rettenberg oder Vorderburg, wo 1536 und 1550 mehrere „Scham“ lebten. Dessen Söhne Hans und Conrad wirkten als Bildhauer in Ottobeuren. Der Rotmarmorepitaph mit Relieffigur des Abtes Kaspar Kindelmann in der Benedictuskapelle soll von Conrad stammen, ebenso eine Anzahl Reliefs im Klostermuseum Ottobeuren. Bevor Hans Scham nach Oberstdorf kam, hatte er bereits Altarfiguren für den Stift Ellwangen und das Kloster Ochsenhausen geliefert. In Oberstdorf starb die 1. Frau Schams und er verehelichte sich 1637 mit Katharina Velcklin. Auch sie starb schon 1643 und Scham heiratete keine 2 Monate später Maria Berkthold aus Oberstdorf. Scham wird als „aus Ottobeuren“ benannt, aber auch als „der Bildhauer aus Oberstdorf“.1637 bis 1638 war er in Hindelang tätig. Er erhielt 72 fl 30 kr für den am 20.11.1638 aufgerichteten neuen Kreuzaltar. Anfang 1638 erhielt er den Auftrag, eine „Anführung Christi“ zu fassen und zu schneiden.1640 schuf er neue Seitenaltäre in Hindelang, davon blieb die Kreuzigungsgruppe in der Kapelle Reckenberg erhalten. Dort ist auch eine kniende Magdalena an der nördlichen Wand von ihm. 1641 lieferte er ein heute verschollenes Tabernakel oder einen Baum Jesse an Hindelang. Ebenso abgegangen ist der 1647 bestätigte Rosenkranzaltar, für den er 131 fl 34 kr erhielt. Wohl gleichzeitig entstand das Vesperbild in der Mensa des Altares in Margarethen mit einer beeindruckenden Muttergottes als Verkörperung der Klage. In Bad Oberdorf sind seine Arbeiten Hl. Sebastian und Hl. Rochus (um 1638) an den Seitenwänden des Chors. Sie standen wohl zuerst in der alten Hindelanger Kirche und seit 1874 in Hinterstein. Die spätmanieristische Muttergottes (um 1650) in der Pfarrkirche in Fischen stammt vermutlich von Hans Schaum. Der zart um die linke Hüfte gebauschte Mantel erinnert an die frühbarocke Prozessionsstange der Patrona Bavariae in Tiefenbach (um 1658), die eventuell von ihm sein könnte, ebenso wie der ausdrucksstarke Gekreuzigte mit naturalistisch betonten Rippen und Brustkorb und gemarterten Gesichtszügen in der Oberstdorfer Pfarrkirche. |

Der Auferstehungschristus in der Abbachkapelle
Vielleicht kommt der Auferstehungschristus mit überschlankem Körper in der Appachkapelle (um 1657/58) in Oberstdorf aus der Hans-Scham-Schule. Beachtenswert sind die Figuren St. Johannes und St. Rochus in der Kapelle in Oberzollhaus, die „Hans Schaur, Bildhauer aus Ottobeuren“ 1644 schnitzte. Dokumentiert ist ein Hausbesitz von Scham in Oberstdorf. 2004 ist erstmals in einem Buch zusammenfassend über sein Werk im Oberallgäu und in Oberschwaben geschrieben worden, Er könne „durchaus dem der bedeutendsten Bildhauer seiner Zeit in Süddeutschland zur Seite gestellt werden“.
Text von W.Gunther le Maire
(vielen herzlichen Dank) |