Eigentlich müsste Oberstdorf den 300. Geburtstag von Franz Xaver Schmädl am 1.November 2005 mit einem riesigen Fest feiern, denn der 1705 geborene Oberstdorfer gilt heute als einer der besten Rokokobildhauer Bayerns. Er zog wohl mit 27 Jahren nach Weilheim, nachdem er in Dillingen (evtl. bei Stephan Luidl) oder Augsburg oder München gelernt hatte. Irgendwann muss er (wie z.B. auch Ignaz Günther) Mitarbeiter von Johann Baptist Straub gewesen sein, denn in seinem Frühwerk sind dessen Einflüsse unverkennbar. Vor 1733 arbeitete er in der Werkstatt von Martin Dürr in Weilheim, dessen Witwe er am 13.9.1734 heiratete. Der „Bildhauer Gsöll Franz Xaveri Schmädl“ erhielt dadurch und weil er „einen Feuer Kibl erlegt“ hat, das Bürgerrecht. Er übernahm die hoch angesehene Werkstatt des Martin Dürr, dessen 1723 geborener Sohn Johann Georg in der Münsterkirche in Salem mit dem Hochaltar und 26 Nebenaltären aus Alabaster eines der großartigsten Rokokowerke in Deutschland schuf. Schmädl wurde mit Aufträgen überhäuft, war von 1752 bis 1754 Ratsherr, dann 4. Bürgermeister. Ab 1760 hatte er „Steuerrückständt“, die 1774 so hoch waren, dass die Stadt gegen ihn vorging. Am 16. Juli 1777 starb er in Weilheim, nachdem er insgesamt 4 Frauen überlebt hatte.
Sein frühestes bekanntes Werk ist die 2 m hohe Oberstdorfer Palmeselgruppe in der Josefkapelle („1729 hat Franz Schmottel den jetzigen Balmesel gemacht. Kostet 50 fl.“). Diesen Esel zogen früher am Vorabend des Palmsonntags eine Anzahl Buben von der ehemaligen „Hexenkapelle“ bis in das „Vorzeichen der Pfarrkirche. Der Palmesel von Schmädl ist ein spätbarockes Kleinod: fein modellierte Faltenwülste am Gewand des reitenden Christus, ein ausdruckstarkes, edles Gesicht mit leicht geöffnetem Mund und betonten Backenknochen. In Tiefenbach ist die Tragestangenfigur des „Guten Hirten“ ein zweites Werk des jungen Schmädl, erkennbar an Kopfbildung und Gewandhaltung, Nasenbildung und leicht geöffnetem Mund. In Eckarts war bis 1888 noch ein Hl. Rochus, aber er wanderte aufgrund des Umbaues der Kirche ins Georgianum nach München. 1734 fertigte Schmädl die Statue „Christus an der Säule“ in Murnau. In Rottenbuch schuf er mit den Figuren von 1743 und dem Hochaltar von 1749 -51 wohl seine stärksten Arbeiten. Die Engel in Rottenbuch zählen zu den vitalsten und frohesten Engeln Süddeutschlands. Die plastische Darstellung der Geburt Mariens, wie von Gottvater das Kind Maria ausgeht und zu ihren heiligen Eltern kommt, ist wohl einzigartig in ganz Deutschland. Die Stifterfiguren im Chor – Welf I und Judith sind äußerst beachtenswert. Herrlich ist auch der Orgelprospekt. Schmädl hat in Rottenbuch eines der schönsten und geschlossensten Rokokoensembles in Bayern geschaffen.
Die Kirchen um Weilheim und viele bedeutende Kirchenbauten sind mit Schmädls Arbeiten überfüllt (siehe Kasten). Seine Krippenfiguren in Diessen erinnern an Oberstdorfer Alphirten. Im Museum von Weilheim sind eine Verkündigungs-Maria, ein Prospekt und ein Gemäldeornamentsrahmen und eine Franziskus-Figur aus seiner Werkstatt. |

Der Palmesel in der Josefskapelle
Schmädls kunstgeschichtliche Bedeutung liegt darin, dass er – ein glänzender Routinier – den höfischen Rokokostil ländlich interpretierte. Er orientierte sich am maßvollen Münchner Rokokostil, bewahrte aber seine derbe, bäuerliche eigene Art. Dem betont Dekorativen der (gleichzeitigen) Wessobrunner entzog er sich und setzte sich mit seinem reifen Rokoko durch. Bei einigen Altarbauten der späten Jahre nähert er sich allerdings der Wessobrunner Schule. Ab etwa 1760 wird bei ihm ein realistischer Klassizismus sichtbar.
Schmädl gehört zur „Sonderklasse“ der Oberallgäuer Künstler und wer „Rokoko pur“ erleben will, begebe sich auf eine „Schmädl-Reise durch den Pfaffenwinkel.
Man trifft auf Schmädl in Peißenberg (Wallfahrtskirche Maria Eich), in Erling bei Andechs (1747), in Andechs, in Hohenpeißenberg, in Sindelsdorf (1754), in Dettenschwang (hübsches Rokokoaltärchen), in Unterammergau und Oberammergau (Seitenaltäre Peter und Paul 1756 – 1762), in Dietramszell, Schongau (1756 – 1760), Weilheim, Ettal, Farchant, Riegsee (Murnau), Seehausen am Staffelsee, Inning (Hochaltar 1769), Peiting, Garmisch (Seitenaltäre 1752), Landsberg (Hochaltar 1756 Heilig-Kreuz-Kirche), in Wilzhofen, Hagen und Habach.
Text von W.Gunther le Maire
(vielen herzlichen Dank) |