| "W.G. Sebald,
the profoundly elegiac and distinctive author of 'Austerlitz'
and other novels and one of the most acclaimed of contemporary
writers, was killed yesterday in an automobile accident
in Norfolk, England, near his home in Norwich in East
Anglia. He was 57", meldet die New York Times in
ihrer online-Ausgabe vom 15.12.2001.
Die New York Times hatte Sebald noch am 11. Dezember dem
amerikanischen Publikum in einem Porträt vorgestellt.
Sebald war in den angelsächsischen Ländern der
vielleicht bekannteste deutsche Autor. Die Übersetzung
seines letzten Romans "Austerlitz" ist vor Wochen
allenthalben besprochen worden. Die New York Times wählte
den Roman zu einem der besten Bücher des Jahres.
Auch der Guardian hatte beim Erscheinen von "Austerlitz"
ein langes Porträt über Sebald gebracht, wo
sich Sebald auch kurz über die Anschläge vom
11. September äußerte. Andere große Besprechungen
des Buchs und Porträts finden wir etwa in The New
Republic und bei El Pais.
Auch die deutsche
Presse betrachtete "Austerlitz" im letzten Frühjahr
als eines der wichtigsten Bücher des Jahres. Ein
Buch der "tausendundeinen Offenbarung" nannte
Thomas Steinfeld diesen Roman über eine jüdische
Kindheit in der FAZ.
Wie
kommt dieser gefeierte Schriftsteller auf die Seiten unseres
Online-Führers?
Ganz einfach; der in Wertach/Allgäu 1944 geborene
Sebald, besuchte nämlich ab 1954 die Oberreallschule
in Oberstdorf und machte dort auch im Jahre 1963 sein
Abitur. Wie es sich für einen zukünftigen Schriftsteller
gehört, schrieb er seinen Abituraufsatz in der halben
Zeit und bekam dafür natürlich eine "Eins".
Mit dem Zug fuhr er täglich von Sonthofen, wohin
seine Familie 1948 gezogen war, nach Oberstdorf zur Schule.
In der Schule lernte er übrigens auch den künftigen Maler Jan Peter Tripp aus Tiefenbach kennen, mit dem ihn eine lebenslange Künstler-Freundschaft verband. Nach zwei Jahre Studium der Literaturwissenschaft
in Freiburg; erwarb er 1966 in der französischsprachigen
Schweiz eine Licence in Literaturwissenschaft. Weitere
Stadien seiner Karriere waren: Universität Manchester,
St. Gallen und East Anglia University in Norwich.
Neben seiner Universitätslaufbahn entstand seit Ende
der 80er Jahre sein literarisches Werk. Dies hat in den
letzten beiden Jahren vor allem in Großbritannien,
den USA und Frankreich hohe Aufmerksamkeit gefunden. Dort
wurde sein Name zuletzt sogar zusammen mit dem Wort Nobelpreis
genannt, und auch hierzulande wäre es nur eine Frage
der Zeit gewesen, bis er den Büchnerpreis bekommen
hätte.
Zu seinen
wichtigsten Büchern zählen: Schwindel.Gefühle
(1990), Die Ausgewanderten (1992), Die Ringe des Saturn
(1995) und Luftkrieg und Literatur (Hanser, 1999).
Meine privaten
Gedanken zu seinen Büchern:
Schwindel.Gefühle
Dieses Buch ist nichts für Leser, die sich mit einfachen
Texten unterhalten lassen wollen. Sätze ohne mehrere
Gliedsätze und Einschübe sind eigentlich eher
die Seltenheit. An diesem Buch ist für Allgäuer
besonders das letzte Drittel der Erzählung interessant,
da es in Wertach spielt. Sebald beschreibt darin seine
Kindheit in dem Oberallgäuer Ort und bietet aufschlussreiche
Details aus der Nachkriegszeit! Empfehlenswert!
Die Ausgewanderten, Vier lange
Erzählungen
Im Gegensatz zu Schwindel.Gefühle ist dieses Buch
sehr viel leichter zu lesen. Es sind (authentische - fiktive?)
Lebensberichte von vier Personen, denen Sebald in seinem
Leben begegnet ist (sein könnte) und mit denen er sich intensiv beschäftigte.
Obwohl ich mich kaum für eine bestimmte Lieblingsgeschichte
entscheiden kann, möchte ich trotzdem die von Paul
Bereyter herausgreifen. Dieser Mann war (vielleicht) Sebalds Grundschullehrer
in Sonthofen. Er hieß in Wirklichkeit Armin Müller und durfte als Jude in der NS-Zeit nicht unterrichten. Ausgehend von dessem eigenartigen Benehmen
erschließt der Autor feinfühlig seine Gefühl-
und Gedankenwelt und damit die Gründe für sein
tragisches Schicksal. Die Sonthofer Bevölkerung,
hier stellverterend für die gesamte Deutschlands,
kommt dabei bezüglich seines Verhaltens im Dritten
Reich nicht sehr gut weg. Besonders empfehlenswert!
PS: Am 22.08.2002 fand ich in der
Google-Suchmaschine unter dem Namen W.G. Sebald 7780 Treffer!
Zusammengestellt von Alex Rößle
Links:
Wikipedia: Der deutsche Schriftsteller.W. G. (Winfried Georg) Sebald
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